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Survival Guide

Kleidertausch statt Kaufrausch

Wie wär's mit Vintage?

Wir kaufen ein und schmeißen weg: Pro Jahr schmeißen wir in Österreich pro Kopf und Nase sieben Kilo Mode in den Müll. Damit ist Österreich im Vergleich der Textilabfallnationen ganz weit vorne. Was können wir tun?

VON JUDITH RAUCHWARTER

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aktualisiert am 24.04.2021
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Warum Kleidung tauschen?

Dein Kleiderschrank platzt schon aus allen Nähten, und trotzdem hast du nichts anzuziehen? Damit bist du nicht allein. Laut einer Greenpeace-Umfrage tragen wir nur 30% von dem, was in unserem Kleiderschrank hängt, regelmäßig. 40% davon tragen wir hingegen selten oder gar nicht. Viele von uns besitzen also Kleidungsstücke, die eigentlich noch schön sind, die wir aber nicht anziehen, weil sie uns nicht mehr passen, nicht gut stehen oder einfach nicht mehr unserem Style entsprechen. 

Warum also diese Kleidungsstücke nicht einfach gegen etwas eintauschen, das dir wirklich gefällt?

Kleidertäusche machen Spaß und man kann besondere Fundstücke finden, die sonst niemand hat. Außerdem gibt es keine günstigere Methode, den eigenen Kleiderschrank mal wieder aufzupeppen. Du kannst damit aber nicht nur Geld, sondern auch Emissionen einsparen. Die globale Textilproduktion emittiert mehr CO2 als der globale Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Die Modeindustrie als Teil der Textilindustrie ist allein für fünf Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Weitere Probleme der konventionellen Kleidungsherstellung sind der hohe Wasserverbrauch, giftige Chemikalien, die eingesetzt werden sowie die Ausbeutung der Arbeiter*innen, die die Kleidung herstellen. (Focus.de)

Natürlich braucht es mehr als Kleidertäusche, um wirklich Veränderungen in der globalen Textilbranche herbeizuführen. Trotzdem stellt der Nachhaltigkeitsaspekt ein weiteres gutes Argument für Kleidertäusche dar, da das nachhaltigste Kleidungsstück jenes ist, das wiederverwendet wird und nicht neu produziert werden muss. Laut Uptraded lassen sich durch das Tauschen von Kleidung im Vergleich zu herkömmlichem Modekonsum 65% CO2 und 90% Wasser einsparen. 

Genug Gründe also, um dich an die Tauscherei zu wagen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Kleidung zu tauschen?

Öffentliche Kleidertäusche

In Wien gibt es immer wieder öffentliche Veranstaltungen, bei denen Kleidung getauscht werden kann, wie zum Beispiel die FESCH’KLEIDERTAUSCHBÖRSE, die meist in der Kunsttankstelle Ottakring stattfindet. Bei diesem Kleidertausch nimmst du maximal 3kg deiner gebrauchten, aber noch gut erhaltenen Kleidung mit, zahlst eine Teilnahmegebühr von 5 Euro und schon kann es losgehen. Deine Kleidung wird nun zuerst abgewogen und gegen Bons getauscht. Bringst du beispielsweise 3 kg mit, bekommst du 3 Bons, die du dann wiederum gegen 3 kg neuer Kleidung eintauschen kannst. Die Kleidung wird sortiert und aufgelegt, du spazierst einfach herum und suchst dir aus, was dir gefällt. Die übrig gebliebene Kleidung wird gespendet. Neben Kleidung können beim FESCH‘KLEIDERTAUSCH auch Schuhe, Taschen, Bücher, Pflanzen und Spiele getauscht werden. 

Eigene Kleidertauschparty organisieren

Natürlich kannst du einen Kleidertausch auch ganz einfach selbst organisieren. Schnapp dir deine Freund*innen, Studienkolleg*innen oder Bekannte, bringt Kleidung mit, die ihr nicht mehr tragt und los geht’s. Die Kleidertauschparties, bei denen ich bis jetzt dabei war, sahen so aus: Reihum präsentiert jede*r seine/ihre Kleidung, die dann von den Personen, die sich dafür interessieren, probiert wird. Will das Kleidungsstück nur eine Person haben, bekommt diese es gleich, wollen es mehrere, wird es auf einen Stapel in die Mitte gelegt. Wer diese heiß begehrten Kleidungsstücke bekommt, wird zum Schluss verhandelt oder per Münzwurf entschieden. Diese Variante macht meiner Meinung nach besonders viel Spaß, weil hier in gemütlicher Runde nicht nur getauscht, sondern auch gequatscht, gegessen und das lustigste Kleidungsstück gekürt werden kann. 

Tipp hierbei: Wenn man öfter Kleidertäusche organisiert und nicht dieselben Kleidungsstücke immer wieder sehen will, lohnt es sich, immer wieder neue Leute mit möglichst unterschiedlichen Geschmäckern einzuladen. 

Corona-konforme Alternativen

Während ich diesen Artikel schreibe, befindet sich Wien gerade aufgrund der Covid-19-Pandemie im 4. Lockdown, wodurch Kleidertauschparties natürlich momentan nicht möglich sind. Es gibt jedoch einige Corona-konforme Alternativen, die es ermöglichen, online Kleidung zu tauschen oder gebrauchte Kleidung günstig zu erwerben. 

Vinted 

Bei Vinted verkaufen Privatpersonen online günstig Kleidung, die gebraucht oder auch ungetragen sein kann. Die Plattform zählt 37 Millionen Mitglieder, man findet dort demnach so ziemlich alles, was man sucht. Und auch wenn du selbst Kleidung verkaufen willst, funktioniert das schnell und unkompliziert. 

Secondhand-Accounts auf Instagram

Es gibt außerdem viele Accounts auf Instagram, bei denen Privatpersonen günstig Kleidung in unterschiedlichen Größen verkaufen. Ich persönlich habe bereits Kleidung bei @secondhandliebe, @zeitfürwasneuesaltes und @flodoclothing gekauft, wo man Kleidung von Größe XS-M findet. Kleidung von Größe L-XL findet man zum Beispiel bei @seco.ndwardrobe. Die Kleidungsstücke können dann entweder abgeholt werden, oder man lässt sie sich zuschicken.

Uptraded

Zu guter Letzt noch eine ziemlich innovative Idee: Mithilfe der App „Uptraded“ kann Kleidung nach dem Tinder-Swipe-Prinzip getauscht werden. Du lädst einfach deine Kleidung, die du nicht mehr trägst hoch und swipest, um eine/n Tauschpartner*in zu finden. Hat sich jemand gefunden, wird die Kleidung dann persönlich übergeben. Da Uptraded noch ein relativ junges Unternehmen ist, kann es jedoch eventuell noch ein bisschen dauern, bis die App auch wirklich in deiner Stadt verfügbar ist. 

Frohes Tauschen!

 Quellen:

Utopia: Der minimalistische Kleiderschrank - Tipps & Tricks

Greenpeace - Wegwerfware Kleidung

Quarks: So wenig tragen wir unsere Kleidung

Focus.de : Schlimmer als Kreuzfahren: Mode-Wahnsinn zerstört Umwelt

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aktualisiert am 24.04.2021
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