Traumberuf Steuerberater?

STEIL Online Interview Dezember 2016

Viele Studierende an der WU träumen davon und haben das selbe Ziel: Später mal große internationale Unternehmen beraten zu dürfen und ihr Know-How in Unternehmensstrategien einbauen zu können. Doch was steckt wirklich hinter dem Traumjob Steuer- oder Unternehmensberater? Oleksandr Malakhov und Sebastian Steiner haben sich mit Dr. Mag. Gunther Lang und Mag. Elisabeth Triebert von der TPA-Gruppe getroffen und sich genauer darüber informiert, wie der Karriereweg eines Beraters aussehen kann.

 

STEIL: Welche Tipps würden Sie einem WU Studenten geben, der sich auf eine Karriere in der Steuerberatung vorbereitet? Wie kann man sich bereits im Studium auf die Zukunft als Steuerberater vorbereiten?

Elisabeth Triebert: In erster Linie sollte man die passende Spezialisierung wählen, schauen dass man das Handwerkszeug auf der Uni lernt. Ich gebe immer gerne den Ratschlag sich im Verwandtschaftskreis umzuhören und sich schlau zu machen, was der Beruf des Steuerberaters mit sich bringt. Es müssen nicht immer großartige Praktika sein, es reicht wenn man mit offenen Ohren durch die Welt geht. Man muss sich mit dem Thema identifizieren können und sich dafür interessieren.

Gunther Lang: Ich will an diesem Punkt an meine Ausbildung an der Wirtschaftsuniversität zurückgreifen. Ich habe damals während meines Studiums Spezialisierungen gewählt, die sich mit Unternehmensrechnung, Revision und Steuerrecht befasst haben. Außerdem habe ich bei Lehrveranstaltungen bewusst dabei geachtet, dass sie sich in diesem Bereich bewegen.

 

Worauf achten Sie genau, wenn ein Bewerber seinen Studienabschluss vorweist?

Elisabeth Triebert: In vielen anderen Branchen ist es so, dass der Studienabschluss mehr zählt als die Spezialisierung. Doch bei uns schauen wir wirklich genau welche Speziellen und Wahlfächern gewählt wurden und wenn das in unsere Richtung geht, dann ist das schon etwas, was für uns wichtig ist. Ein Bewerber, der sich in eine ganz andere Richtung spezialisiert hat, wie zum Beispiel Marketing, ist bei uns nicht richtig. Da fehlt einfach das Know-How, das wir brauchen.

 

Weil oft davon gesprochen wird, sollte man ganz schnell studieren, oder ist es wichtig dass man neben dem Studium andere Engagements zeigt oder Praktika absolviert?

Gunther Lang: Es ist nicht unbedingt notwendig, die allertollsten Praktika gemacht zu haben. Wichtiger ist mir dabei, dass die Bewerber mit einer guten Ausbildung und dem nötigen Know-How zu uns kommen. Dabei sollte man natürlich das Gelernte gut in die Praxis umsetzen können. Das Theoretische ist das eine und die Arbeitsweis das Andere und darauf kommt es mir im Wesentlichen an.

 

Hatten Sie schon einen solchen Moment wo sie sagen: „Ja, das ist der richtige, genau der, den wir brauchen“?

Elisabeth Triebert: Immer wieder sogar! Wir haben in den Bewerbungsgesprächen öfter Leute sitzen, wo man bereits in den ersten Minuten weiß, dass wir uns diesen Bewerber gut als Mitarbeiter vorstellen können. Von der Persönlichkeit her sind das Menschen, die Dinge anpacken, eine Genauigkeit, aber auch eine Eigeninitiative an den Tag legen und die auch im Team spielen können.

 

Glauben Sie die Steuerberatung ist ein wachsender Markt?

Gunther Lang: Wir als Unternehmen sind sehr stark gewachsen. Steuerrecht wird immer wichtiger. Es gibt immer mehr Regulative, Normen und Vorschriften, die es zu befolgen gilt. Es gibt immer mehr Gesetzesänderungen, gerade im Steuerrecht, und es war für die Unternehmen wichtig und wird immer wichtig bleiben da informiert zu sein. Insofern befinden wir uns in einer stark q und insofern befinden wir uns in einer stark wachsenden Branche, die auch gute Zukunftsaussichten bietet.

 

Woran messen Sie den Erfolg eines Steuerberaters? Am Kundenfeedback oder an bestimmten Kennzahlen?

Elisabeth Triebert: Man ist bestrebt die gesetzten Ziele zu erreichen. Dies ist natürlich die Gewinn- und Umsatzmaximierung. Ein wichtiges Ziel, welches man nicht vergessen darf, ist die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter und wie es Ihnen bei uns geht. Wir sind ein Beratungsunternehmen und unsere Mitarbeiter sind unser Kernkapital. Dementsprechend ist Ihr Wohlergehen uns wichtig.

 

Durch die Modernisierung und Digitalisierung wird „Face to Face Business“ eigentlich immer weniger oder wird es gerade deswegen wertgeschätzt?

Gunther Lang: Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass es wertgeschätzt wird. Natürlich werden gewisse Abläufe standardisiert, aber gerade der Beratungsjob ist etwas, wo Vertrauen vorausgesetzt wird. Dieses Vertrauen baut man am besten über das persönliche Gespräch und gegenseitigen Austausch auf. Ich sehe es gewissermaßen als Erfolgsrezept, dass sich Personen, die man kennt und denen man vertraut, mit dem Problem befassen und man als Unternehmer nicht von A nach B und von B nach C geschickt wird. Ich finde diese Art und Weise Probleme zu lösen am erfolgreichsten.

 

Das Wachstum ist allgegenwärtig, alles entwickelt sich rasant, muss schneller gehen. Erwartet man sich um 3 Uhr in der Früh noch eine Antwort auf manche Mails? Der Beratungsprozess nimmt Zeit in Anspruch, ist da auch immer mehr Druck oder spielt hier die Geduld eine Rolle?

Gunther Lang: Wir haben eine Tendenz dahingehend bemerkt, dass die Unternehmen am Liebsten schon vorgestern alles erledigt haben hätten. Nur kommuniziere ich hier dem Kunden dann auch, dass manche Dinge eben ihre gewisse Zeit brauchen. Vor allem bei komplexen Fragen ist es sinnvoll, nur gut durchdachte Antworten zu geben. Doch auch ein Steuer- oder Unternehmensberater braucht einmal seine Ruhe und kann sich nicht 24/7 mit den Problemen der einzelnen Unternehmen beschäftigen. Bei aller Flexibilität, die ein Beratungsunternehmen und die Mitarbeiter mitbringen müssen, ist es für mich so, dass man nicht rund um die Uhr für den Klienten da sein muss.

 

Sind Weiterbildungen ein wichtiges Thema?

Gunther Lang: Wer im Steuerrecht tätig ist muss sich in diesem Themenbereich auch ständig am Laufenden halten. Das bedeutet, dass unsere Berater diesen Beruf auch Leben und sich intensiv dafür interessieren. Ich kann einem Kunden, der eine Frage zu der letzten Steuerreform hat, nicht eine Antwort von der vorletzten geben. Man muss den Kunden vorausschauend beraten. Es gibt jedes Jahr mindestens eine Steuerreform, diverse Änderungen und Anpassungen. In dem Zusammenhang muss man aktuell sein, wenn man seine Klienten gut beraten will. Das bringt unsere Arbeit mit sich.

 

Wie verfolgen Sie die Angestellten mit? Oder konzentrieren sie sich mehr auf die Talente-Suche?

Elisabeth Triebert: Natürlich verfolgen wir auch unsere Mitarbeiter durch ihren Karriereweg bei TPA. Doch Hauptverantwortlich ist dabei die jeweilige Führungskraft der Abteilung. Es gibt jährliche Mitarbeitergespräche, wo besprochen wird, wie das Jahr gelaufen ist und was die zukünftigen Ziele sind. Wir im Human Resources Bereich sind eher der Sparringpartner für die Führungskräfte und Ansprechpartner für unsere Mitarbeiter.

 

 

Mag. Dr. Gunther Lang bezeichnet sich selbst als „Zahlendompteur“, da er es als Erfolgsrezept sieht, alle Zahlen und Fakten im Griff zu haben. Sein Doktoratsstudium hat er in Betriebswirtschaftslehre an der WU abgeschlossen. Seit 2006 ist er Steuerberater bei der TPA-Gruppe. Neben seinem Job ist er auch Lektor an der Fachhochschule Wien.

 

Mag. Elisabeth Triebert hat ebenfalls an der WU studiert und ist seit 2011 „Head of Human Resources“ bei der TPA-Gruppe und immer auf der Suche nach talentierten Mitarbeitern und einer erfolgreichen Personalentwicklung. Vor der TPA- Gruppe war sie bereits bei anderen Großunternehmen als Headhunter tätig. Für sie ist besonders wichtig, dass man auf eine gute Kommunikation im Betrieb und mit Bewerbern setzt.

 

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STORY VON sebastian steiner und oleksandr malakhov


Dienstag, 13.12.2016 um 18:00

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