Je schneller, desto besser?

STEIL Online Story Dezember 2016

Mit 23 einen Masterabschluss, unzählige Praktika, Auslandsemester, ehrenamtliches Engagement, und noch dazu einen Top-Arbeitsplatz in der Tasche. Währenddessen am besten den Traumpartner gefunden haben, gemeinsam den Haushalt schupfen und Sport und gesunde Ernährung sollte natürlich auch nicht zu kurz kommen. Aber dabei sollt natürlich auch das Studentenleben genossen werden! Nicht an das Morgen denken, sondern einfach nur im Hier und Jetzt sein. Wie schnell muss man leben? Und bedeutet ein schnelles Leben gleich ein besseres?

 

Wie soll ich das alles schaffen?

Der Großteil von uns kennt das leidige Thema: Das ganze Umfeld stellt, oft unbewusst, gewaltige Erwartungen an einen, aber am meisten Druck machen wir uns am Ende selbst. Jeder einzelne von uns hat eine andere Vorstellung von seiner persönlichen Zukunft, und doch ertappt man sich immer wieder dabei, wie man versucht wird, dem gängigen Ideal der Gesellschaft gerecht zu werden. Tagtäglich treffen wir Entscheidungen, die unseren restlichen Lebensverlauf beeinflussen und in gewissem Maße auch bestimmen. Wir versuchen nach dem perfekten Zeitplan zu leben, in welchem nicht nur Studium, Arbeit und Freizeit ausgeglichen nebeneinander existieren, sondern wir das Leben auch wirklich in vollsten Zügen genießen können. Jedoch machen wir uns viel zu viele Gedanken um die Zukunft, anstatt einfach mal loszulassen und das zu tun, worauf wir gerade Lust haben. Wie soll man sich denn über die Gegenwart freuen, wenn man jetzt schon in den Sorgen der Zukunft versinkt?

 

Schaff ich das alleine?

Für viele geht Matura und Studium gleich ineinander über, nebenbei erreicht man die lang ersehnte Volljährigkeit und ist somit plötzlich erwachsen. Diese geht vor allem Hand in Hand mit einer großen Portion an Verantwortung, die man plötzlich selbst auf seinen Schultern tragen muss. Aber niemand erwartet von einem, dass man alles sofort perfekt meistert und keine Probleme damit hat, sich von nun an selbst zu erhalten. Schließlich kann man trotzdem noch auf die Unterstützung der Familie und seiner Freunde setzen, falls man mal nicht mehr weiter weiß.

 

Ich rette die Welt!

Doch nicht nur das Alter macht einem zu schaffen, sondern auch der Druck, etwas Großes, Bedeutendes zu vollbringen. Manche von uns sind schon seit Kindestagen davon überzeugt, ihren Fußabdruck auf der Erde zu hinterlassen oder noch besser, gleich die gesamte Welt zu retten. Jedoch geht es im Großen und Ganzen gar nicht darum einzigartige Heldentaten zu vollbringen, sondern viel mehr um soziales Engagement im Alltag. Falls man als Student nicht noch eine ehrenamtliche Tätigkeit auf sich nehmen will, sollte man eines immer im Hinterkopf behalten: Kleine Taten im Alltag machen oft genauso viel aus. Denn was für den einen ein kleiner Schritt ist, kann bei anderen große Wirkung entfalten. Und anderen eine Freude zu machen, kann nebenher auch das eigene Wohlbefinden ungemein steigern!

 

Gefällt mir mein Studium überhaupt?

Oft hat man das Gefühl, das Studium dreht sich nur um eines: Es nämlich so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Bestenfalls natürlich in Mindeststudienzeit, mit absolviertem Auslandsstudium an einer renommierten Universität und einem herausragend guten Notendurchschnitt. Wie man jedoch relativ schnell schon zu Studienbeginn feststellt, ist das gerade zu unmöglich, wenn man nebenbei noch arbeitet, sich ehrenamtlich engagiert oder einfach nur sein Leben genießt und auch andere Prioritäten als das Studium hat. Studium sollte mehr sein als nur stur in der Bib zu sitzen und Sachverhalte auswendig zu lernen. Gerade als Student braucht man die Zeit, um herauszufinden, wer man eigentlich ist, oder vielmehr, wer man sein will. Eigentlich sollte man sich im Laufe des Studiums Zeit geben, sich selbst besser kennenzulernen und seine eigenen Fähigkeiten auszutesten. Im Endeffekt hast du persönlich und auch beruflich nichts davon, wenn du ein Studium mit Müh und Not durchziehst, wenn du dann vielleicht in eine komplett andere Richtung gehen willst. Schlussendlich musst du, ohne dich von deinem Umfeld zu sehr beeinflussen zu lassen, entscheiden, was das Beste für dich ist und was dich weiterbringt.

 

Mindeststudienzeit: Mythos, oder doch Realität?

Das von vielen angestrebte Ziel erfüllt nur eine kleine Schar von auserwählten, was nicht verwundert, wenn man an all die PI´s, SBWL´s und weitere Hürden im Studium denkt. Statistisch gesehen schafft nicht mal die Hälfte aller Studierenden den Bachelor in Mindeststudienzeit. Das heißt aber nicht, dass diese weniger Chancen auf einen guten Beruf haben, ganz im Gegenteil! Wer Erfahrungen auch außerhalb des Studiums sammelt, und wie Praktika, Arbeit, soziales oder politisches Engagement aufweisen kann steht einem „schnellen“ Studenten in nichts nach. Man kann auch langsamer studieren, solange man eine vernünftige Erklärung dafür hat.

 

Das Auslandsstudium

Manche machen sich darüber schon Gedanken, bevor sie überhaupt zu studieren begonnen haben. Es stellt einen großen Reiz dar, seinen Lebensmittelpunkt für ein Semester in ein fremdes Land zu verlegen, und dort in eine völlig andere Kultur einzutauchen. Die Erfahrungen, die man dabei macht, sind auf jeden Fall unvergesslich und wenn man die Chance hat, ins Ausland zu gehen, sollte man sie auf jeden Fall nutzen! Das muss aber nicht zwingendermaßen schon während dem Bachelor-Studium passieren (mal abgesehen von den IBWLern). Auch der Master bietet noch die Möglichkeit, für ein Semester an einer anderen Uni zu studieren. Bei alldem sollte man sich aber nicht zu engstirnig auf eine bestimmte Destination fixieren, denn oftmals kommt man aufgrund der zahlreichen Bewerbungen nicht an die präferierte Uni. Letztendlich hat aber bestimmt jeder Ort etwas zu bieten!

 

Nützen mir Praktika etwas?

Viele Arbeitgeber setzen besonders viel Wert darauf, dass ein Student schon mehrere einschlägige Praktika absolviert oder noch besser schon mehrere Jahre Berufserfahrung hat. Praktika können jedoch gerade für einen selbst sehr hilfreich sein, um herauszufinden, welche Berufssparte einem überhaupt gefällt und wo es einen beruflich hinzieht. Dort kann man dann auch passend zur Theorie die Praxis erleben und sein frisch erworbenes Wissen im echten Leben anwenden. Außerdem ist das eine gute Möglichkeit, wichtige Kontakte knüpfen, die man nach dem Abschluss immer gut gebrauchen kann. Statistiken zufolge haben nach einem Jahr über 80% der Akademiker eine Stelle. Nicht jeder findet sofort den richtigen Job, aber das Leben bietet auch noch genügend Zeit und viele Möglichkeiten um unterschiedlichen Sparten auszuprobieren.

 

So gesehen: Je älter die Gesellschaft wird, desto mehr Zeit bleibt für jeden Einzelnen zum leben, lieben, arbeiten und erschaffen. Es gibt also absolut keinen Grund, jetzt schon vor der Zukunft zu flüchten, denn schlussendlich kann dir niemand sagen, wie du dein Leben zu leben hast. Und wenn du hart arbeitest, und für deine Arbeit noch Leidenschaft empfindest, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

 

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STORY VON ELENA BURTSCHER


Donnerstag, 01.12.2016 um 18:00

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