Eloquenz trotz Ahnungslosigkeit

STEIL Story November 2016

Ob auf der WG Party, beim Vorstellungsgespräch, im Wartezimmer oder beim Business Meeting – spätestens wenn die aktuelle Wetterlage und das gesundheitliche Befinden besprochen wurde, folgt oft peinliche Stille. Small Talk will gelernt sein.

 

Small Talk gilt oft als oberflächlich, belanglos und langweilig. Das kann er durchaus sein. Im Idealfall entsteht ein kurzweiliges Gespräch, das eventuell zu einem intensiveren Austausch führt. Das Plaudern zwischendurch ist soziales Schmiermittel, ohne das keine Beziehung entstehen könnte. Unverbindlicher Small Talk verrät mehr über die Persönlichkeit und entscheidet meistens darüber, wie sympathisch man sein Gegenüber findet. Doch was sind die Zutaten für einen gelungenen Tratsch mit fremden oder halb-bekannten Personen?

 

Mach den Anfang!

Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber sprich dein Gegenüber im Fahrstuhl, vor der Vorlesung oder in einer Bar einfach an, wenn dir danach ist! Durchbrich peinliches Schweigen und wende dich deinem Gesprächspartner zu, indem du dich vorstellst, eine Frage stellst oder ehrlich ansprichst: »Jetzt traut sich niemand von uns anzufangen, stimmt’s?«

 

Zeig Interesse am Gegenüber und lächle!

Sind die ersten paar Worte einmal gewechselt, kommt es fortan weniger darauf an was du sagst, sondern wie du das tust. Mimik und Körpersprache sind wichtiger als deine Worte, die etwa nur zu verschwindend geringen sieben Prozent über den Eindruck deines Gesprächspartners entscheiden. Diese Theorie stellte der bekannte, amerikanische Kommunikationspsychologe Albert Mehrabian auf. Also halte Blickkontakt und schau nicht so drein, als hätte dir gerade jemand deinen Kuchen weggegessen. Es heißt nicht umsonst: Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.

Interesse am anderen zeigst du, indem du auf das Gesagte eingehst, hin und wieder eine Frage stellst, ohne es zu einem Verhör werden zu lassen und Sätze und Worte stellenweise auf andere Art wiederholst. Wenn dir die Vorgesetzte erzählt, dass sie neulich einen Städtetrip nach Mailand unternommen hat, könntest du zu einem späteren Zeitpunkt ihr Gesagtes in eine Frage mit einbauen: »Sie haben vorhin erwähnt, dass Sie vor kurzem in Mailand waren – was hat Ihnen am besten gefallen? Ich habe gehört, die Stadt soll ganz toll sein!« Nachdem der Ball dann auf der anderen Spiel- hälfte liegt, ist es auch ganz egal, dass du von Mailand nicht mehr weißt, als dass es in Italien liegt.

 

Stelle sinnvolle Fragen und verzichte auf Weichspüler-Formulierungen!

Niemand möchte ständig Fragen wie »Wie geht’s?«, »Und sonst?« oder »Wie war die Prüfung?« beantworten. Schaffe für dein Gegenüber also genügend Anreiz, abseits dieser Oberflächlichkeit etwas von sich preis- zugeben. Wer beherzigt, dass Menschen am liebsten über sich selbst reden, dafür aber oft eine Einladung brauchen, hat schon gewonnen. Stelle doch einfach mal Fragen, die dich wirklich interessieren: Worauf freust du dich nächste Woche? Was war das Unglaublichste, was dir je passiert ist? Was hat dich am meisten an deinem jetzigen Job überrascht?

Es gibt Signalwörter, die Unsicherheit oder Zweifel ausdrücken, wie ›eigentlich‹, ›irgendwie‹, ›sozusagen‹, ›gewissermaßen‹, ›oder so‹. Wer solche Wörter oft verwendet verrät, dass er sich nicht genau auskennt oder sich nicht festlegen will. Diese sogenannten Weichspüler überzeugen nicht. Formulierungen wie »Eigentlich kann ja nichts schief gehen ... « oder »Wir sind wahrscheinlich in der Lage... « relativieren vieles zu einer Null-Aussage. Weg damit!

 

Was, wenn du keine Ahnung vom Thema hast?

Dass du keine Ahnung von Kunst hast, darfst du im Smalltalk ruhig zugeben. Sei aber kein Langweiler! Anstatt »Tut mir leid, ich bin ein totaler Kunstbanause«, rettest du dich das nächste Mal einfach stilvoll mit einem Zitat, dessen Quelle du im Idealfall auch nennen kannst. Zum Beispiel: »Der französische Schriftsteller Edmond de Goncourt brachte es einmal auf den Punkt: Die meisten Dummheiten in der Welt muss sich wahrscheinlich ein Gemälde in einem Museum anhören.«

Hast du kein Zitat oder eine Redewendung parat, leistet auch die ›Nachplauder-Methode‹ gute Dienste, um deine Unwissenheit zu kaschieren. Kombiniere hier zwei Gesprächstaktiken: Lenke das Gespräch auf etwas, das du zuvor vom Gesprächspartner oder der Runde aufgeschnappt hast und fädele dann ein Thema ein, bei dem du bewandert bist. Ist das auserkorene Thema der Runde Golfsport, kannst du nachfragen, wo das Gegenüber denn schon überall Golf spielen war und so auf das Thema Reisen überleiten. Nun kannst du erzählen, wo du schon überall warst und ihr könnt Gemeinsamkeiten finden. Wenn alle Stricke reißen, hilft nur noch vermeintlich intellektuell überlegene Gesprächspartner zu meiden.

Wenn man sich dann plötzlich doch über den Weg läuft, heißt es schnell zu reagieren: Sätze, wie »Oh, ich habe dich gar nicht gesehen. Hab schon wieder meine Brille nicht auf.« oder »Du, ich habe leider gerade gar keine Zeit, ich muss in zehn Minuten bei einem Termin sein.« funktionieren fast immer. Eine weitere Versteck-Methode ist das ›Telefonieren‹ - bzw. zumindest so zu tun. Auch wenn man gar niemanden am anderen Ende der Leitung hat, so ist es für manche immer noch angenehmer, mit einem Handy zu reden als Small Talk zu führen.

Wer den goldenen Mittelweg zwischen Verweigerung und kompetenter Herangehensweise gehen will, kann auch ganz im Sinne des Pinguin-Anführers aus dem Animationsfilm ›Madagascar‹ handeln: Lächeln und winken. Oder vermutlich besser nicken.

 

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STORY VON Sandro tirler


Montag, 14.11.2016 um 15:00

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