Die „Akademiker“ Generation

STEIL Online Story April 2017

Eine beachtliche Zahl: Im Jahr 2015/16 waren 280.445 ordentliche Studierende an öffentlichen Universitäten eingeschrieben, das zeigen Zahlen der Statistik Austria. Immer mehr Maturanten rennen den Universitäten die Türen ein, büffeln für große Aufnahmeprüfungen à la Medizin und Psychologie, besuchen private Repetitorien für nur ein Ziel: Akademiker werden.

Ein Abschluss an einer Universität wird heutzutage immer noch als höchstes Gut angesehen. Bist du ein Akademiker, dann hast du es geschafft. Alles, was du dir erhoffst scheint zum Greifen nahe zu sein: Die Chance auf ein „gutes“ Leben, das große Geld und gesellschaftliches Ansehen. Du hast einen Titel, du bist Jemand. Doch wer bist du eigentlich?

 

Zuwachs und doch nicht genug

Die Akademikerquote in Österreich ist, im Vergleich zu anderen Ländern, relativ gering. Hierzulande verfügen nach einer Studie der OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development) aus dem Jahr 2013 nur 21% der Menschen zwischen 25 und 34 über einen Hochschulabschluss. Zum Vergleich: Der Prozentsatz bei dieser Altersgruppe sollte im Durchschnitt jedoch bei 39% liegen. Bekannt ist auch, dass die Zahl der Studienanfänger in den letzten Jahren enorm gestiegen ist: von rund 59.000 im Studienjahr 2008/09 auf 66.000 im Jahr 2012/13. Auch die Zahl der Studienabschlüsse steigt, aufgrund der Bologna Reform, kontinuierlich. Wenn die Zahl an Studienanfänger und Universitätsabsolventen Jahr für Jahr steigt, warum gibt es dann trotzdem vergleichsweise nur wenige Akademiker? 

 

System der Verlierer?

Es ist bekannt, dass die Drop-Out Quote bei den STEOP Prüfungen enorm hoch ist. Ist diese Hürde einmal geschafft, hört der Spießrutenlauf jedoch noch nicht auf: Kapazitätsengpässe, unfaire Benotungen und ein ständiger Kampf um SBWL, PI oder Auslandssemester Plätze steht bei vielen von uns auf der Tagesordnung.  Wir boxen uns mit allen Mitteln durchs Studium: Wir bezahlen teure Nachhilfe Kurse, suchen uns Tandem Partner und bewerben uns für unzählige Praktikumstellen. Die OECD hat sich längst zum Ziel gesetzt, die Zahl der Studienabbrecher in Österreich zu verringern. Sollte dieses Vorhaben gelingen, kommt jedoch wieder ein anderes Problem auf: Wenn jeder einen akademischen Abschluss hat, was ist der Titel dann noch wert? Wir wollen alle als Gewinner aus diesem System hervorgehen und der Druck so hoch wie nie zuvor. Es ist ein Teufelskreis ohne Entkommen. Ein schier endloser Weg zum Gipfel des Berges. Selbst nach dem Erklimmen bleibt in vielen Fällen der erhoffte Erfolg aus: niedriges Einstiegsgehalt, wenige Aufstiegsmöglichkeiten, selbst Arbeitslosigkeit sind, wie wir alle wissen, in der heutigen Berufswelt Gang und Gebe.

 

Wozu noch studieren?

Nun fragt ihr euch sicher: „Was ist die Moral von der Geschichte?“ oder „Wenn ich sowieso nicht gewinnen kann, warum dann noch kämpfen?“. Hier ein paar Gründe, die trotz schlechter Aussichten für ein Studium sprechen:

  • Mit einem Studium hast du immer bessere Karriere- und Aufstiegschancen als ohne Studium. Bestimmte berufliche Ziele sind auch nur mit einem Studium erreichbar.
  • Im Studium erlernst du wichtige Schlüsselqualitäten wie beispielsweise Teamfähigkeit, das Vorbereiten und Halten von Präsentationen, aber auch das Recherchieren für und das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten.
  • Wenn du eines während deines Studiums lernst, dann ist es selbstständig zu sein. Du musst dich womöglich in einer neuen Stadt zurechtfinden, die erste eigene Wohnung beziehen oder beginnen zu kochen, weil jeden Tag Brot essen doch nicht das Wahre ist. Dazu kommt noch das Planen des Studienjahres, das Lernen für Klausuren und die ganze Koordination deines Studiums mit deiner Arbeit und deinem Sozialleben.
  • Bildung ist wichtig. Es gibt kaum eine wichtigere Investition, die du in deinem Leben machen kannst und solltest, denn sie bleibt dir immer erhalten. Dein Fundament sozusagen, auf welches du lebenslang aufbauen solltest.
  • Durch ein Studium bekommst du die einzigartige Möglichkeit für vergleichsweise wenig Geld eine lange Zeit ins Ausland zu gehen. Richtig: Das Auslandssemester an einer Partneruniversität zu machen kann zu der spannendsten Zeit deines Lebens werden. Außerdem sind interkulturelle Erfahrungen bei Arbeitgebern sehr beliebt.
  • Ein Studium ist so viel mehr als nur „studieren“. Gerade auf der WU ist das Programm so vielseitig: von Sprachkursen über ZBP Vorträgen bis hin zu Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen ist alles dabei.

 

Fakt ist:

Rückschläge wird es immer geben. Du wirst deinen Traumjob vielleicht nicht auf Anhieb bekommen. Du wirst Prüfungen mal nicht schaffen. Du wirst vielleicht für deinen Geschmack erstmal „wenig“ verdienen. Das Wichtigste ist jedoch positiv zu bleiben und seine Ziele mit Beharrlichkeit zu verfolgen. Wenn es dein Wunsch ist zu studieren, dann lass dich von Zahlen, Prognosen und Ängsten nicht ablenken. Wie heißt es so schön: Studieren geht über Probieren…Warte -  Oder wie war das nochmal? 

 

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Story von Nadja Riahi


Dienstag, 28.03.2017 um 17:30

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