2 Milliarden unter dem Weihnachtsbaum

STEIL Online Story Dezember 2016

Dass Weihnachten weit mehr ist als eine besinnliche Zeit und dass der Handel enorm unter diesem Fest profitiert, ist uns allen doch schon längst bewusst. Doch wie hoch sind die zusätzlichen Einnahmen wirklich? Was kaufen die Österreicher am liebsten? Unser Redakteur Sandro Tirler hat sich mal genauer das Geschäft mit dem Christkind angesehen.

 

Leise wirbelt der Tornado

Stell dir vor, es ist der letzte Samstag vor Heiligabend. Als hättest du es dir nicht anders aussuchen können, stehst du ausgerechnet an diesem Tag in der Shopping City, an dem sich natürlich nicht gefühlte zwölftausend Artgenossen ebenfalls hier nach Weihnachtsgeschenken umsehen. Du tummelst dich inmitten der gestressten Familienväter und Mütter, die die begehrte Königsburg der Löwenritter von Playmobil und das pinke Standkeyboard mit 31 Tasten sowie Licht- und Soundfunktion noch für ihre Kinder ergattern, die vor Freude jauchzen werden, wenn sie das Papier und die Schleifen ein paar Tage später unter dem leuchtenden, mit Sternspritzern versehenen Christbaum aufreißen.

 

So weit, so gut. Wärest da nicht du, der in den meisten Fällen nicht Kinderaugen allein schon wegen des richtigen Geschenkpapiers zum Leuchten bringen kann, sondern Gleichaltrigen oder Älteren eine Bescherung bereitet. Aber keine Sorge: auch die von dir Beschenkten tappen üblicherweise im Dunkeln, wenn es darum geht, für dich ein Überraschungsgeschenk zu finden. Genau an dieser Schnittstelle beginnen, sich aus heiterem Himmel die Wolken zu türmen. Ein Tornado fegt über die mit Waren im Wert von mehreren Millionen Euro vollgestopfte Shopping Mall hinweg. Er trifft aber nur das Gebäude – nicht die Menschen – und wirbelt die Kleidung, Elektronikgeräte, Bücher, Blu-Rays und Kosmetikartikel hoch hinauf in die Luft. So schnell der Zyklon gekommen ist, so rasch zieht er sich wieder ins Himmelgewölbe zurück. Die Schmuckstücke regnen sanft auf die Menschen nieder.

 

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, jeder kriegt etwas ab und weder das Gebäude noch die Waren sind beschädigt worden. Aber der Gratis-Effekt ist schnell verpufft, und die Leute merken, dass sie nicht das bekommen haben, was sie wollten. Die meisten von ihnen wären nicht bereit gewesen, einmal annähernd den Kaufpreis für ihr ihnen zuteil gewordenes Produkt zu bezahlen. Wiewohl das eine Vorstellung sein mag, spielt sich in großen Teilen der Welt Jahr für Jahr Ähnliches ab. Im Wirbelsturm verbirgt sich nämlich das Christkind. Der Geschenke-Tornado scheitert oftmals daran, wenn es darum geht, den passenden Menschen die passenden Dinge zuzuteilen. Dadurch wird also eine Menge Warenwert in den Sand gesetzt. Aber wie schwer ist das Weihnachtsgeschäft wirklich?

 

Geschäft mit dem Fest

Die Adventszeit ist längst nicht nur mehr besinnlich – dafür der in der Vorweihnachtszeit generierte wirtschaftliche Gesamtwert enorm. In den überwiegend christlich geprägten Industrieländern sind die Monate November und Dezember im Einzelhandel die umsatzstärksten Monate des Jahres. In einigen anderen Branchen gar – die in die Kategorie der beliebten Weihnachtsgeschenke fallen – machen die Umsätze im zwölften Monat einen Großteil des Jahresumsatzes aus. So sind bei Spielwaren, Uhren und Schmuck etwa zwischen 30 und 50 % des Gesamtumsatzes dem Weihnachtsgeschäft zuzurechnen, aber auch der Buchhandel und die Unterhaltungselektronik laufen in der „stillsten Zeit“ des Jahres zu Hochform auf.

 

Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut hat für dieses Jahr einen abermaligen Anstieg des weihnachtlichen Konsums prognostiziert. Hochgerechnet soll heuer ein rund 1,95 Milliarden Euro schweres Packerl unter dem österreichischen Christbaum liegen. Mit dem Weihnachtsumsatz sind übrigens nur jene Verkaufserlöse gemeint, die im Dezember zusätzlich zum Umsatz eines Durchschnittsmonats generiert werden. Ein nicht unwesentlicher Anteil dieses Packerls – nämlich 10 % - entfällt alleine auf den Onlinehandel, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut, wie die Wachstumszahlen zeigen. Dass der Finanzminister bei diesen Werten aber nicht zwangsläufig vor Freude in die Luft springt, ist dem Umsatzabfluss ins Ausland geschuldet. Vor allem Amazon dürfte von den Einkäufen im Internet enorm profitieren. Laut Eurostat fließen generell 44 Prozent der österreichischen Onlineausgaben ins Ausland. So hoch dürfte das mehr oder weniger auch beim Weihnachtsgeschäft sein.

 

Die weihnachtlichen Präferenzen der Österreicher

Doch was wünschen sich Herr und Frau Österreicher eigentlich unter ihrem Christbaum? Die Zahlen sind zwar noch verhalten, aber der Trend bewegt sich immer mehr in Richtung individueller Präsente mit emotionalem Wert. Deshalb stehen neben Schmuck, Uhren und Spielwaren auch Gutscheine für gemeinsame Aktivitäten, Wellness, Genuss, Ego und Freizeit hoch im Kurs. Eine Umfrage des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens vom November 2016 hat ergeben, dass sich Frauen und Männer in Österreich am häufigsten Gutscheine (30 Prozent), Reisen und Bargeld (jeweils 28 Prozent) wünschen. Bücher (22 Prozent), Erlebnisse und Ausflüge (18 Prozent) sowie Bekleidung, Schuhe und Accessoires (18 Prozent) machen aber ebenfalls vielen Empfängern Freude.

 

Die Zahlen bestätigen zu guter Letzt auch die Darstellung, wie du dich am letzten Samstag vor Heiligabend in der belebten Einkaufsstraße nach Geschenken umsiehst. Beim Zeitpunkt des Einkaufens tut sich nämlich eine immer größere Kluft auf: auf der einen Seite jene, die sicher immer früher auf den Weg machen, auf der anderen jene, die bis zuletzt zuwarten: die Last-Minute-Shopper. Rund ein Drittel der Österreicher will seine Geschenke erst kurz vor Weihnachten erstehen.

 

In der Kürze liegt die Würze, wie wir alle wissen. Darum lässt sich also im Durchschnitt sagen: Vermutlich wirst auch Du dir dieses Jahr knapp vor Heiligabend ein Buch (da dein Studentenbudget keine teuren Schweizer Uhren zulässt) für einen deiner Liebsten zugelegt haben. Dass der Tornado an dieser Stelle wieder sein Unwesen getrieben haben könnte, lassen wir einmal außen vor und hoffen, dass der von dir Beschenkte deine Lektüre genauso gern liest wie du diesen STEIL-Artikel! 

Frohe Weihnachten!

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STORY VON Sandro tirler


Donnerstag, 22.12.2016 um 18:30

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