Uni oder FH?

STEIL Story Mai 2016

Aktuell wird darüber diskutiert, ob BWL nur mehr an FHs angeboten werden sollen. Wie sinnvoll ist das? Was sagt die WU dazu? Und was sind überhaupt die grundlegenden Unterschiede zwischen Unis und FHs?

 

Finanzierung und Kompetenzverteilung im Hochschulsektor sind ein ständiges Diskussionsthema. Wissenschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner hat die Debatte mit seinem Sager über die etwaige Verlagerung von Studienrichtungen von den Unis an die FHs neu entfacht. Mitterlehner hat in einem Interview mit ›Die Presse‹ angedacht, vor allem wirtschaftsnahe Fächer, wie BWL oder auch Jus, teilweise an die FH zu verlagern, um mehr Freiraum für die Forschung an der Uni zu schaffen.

Während FHs als berufspraktische Ausbildung auf Hochschulniveau mit einem genauen Berufsbild definiert werden und auf einen zielgerichteten, berufspraktischen Kompetenzerwerb abzielen, legen Universitäten einen großen Schwerpunkt auf die vielfältige und wissenschaftliche Berufsvorbildung sowie die Bildung durch Wissenschaft. Eine perfekte Symbiose könnte man meinen. Derzeit wird allerdings darüber diskutiert, ganze Studiengänge von Universitäten abzuziehen und zukünftig nur mehr an Fachhochschulen anzubieten. Wissenschaftsminister Mitterlehner möchte unter Einbindung der Hochschulen einen Strategieprozess starten, um den Hochschulsektor besser zu steuern und Fachhochschulen mehr Kompetenzen zuzuweisen. Er sagt dazu: »Durch einen Fächerabgleich, und wenn die Lehre da und dort von den FHs übernommen wird, haben wir auch mehr Möglichkeiten für Forschung und damit eine Grundlage für Exzellenz, hin zu Spitzen-Universitäten.« Österreichs Unis reagieren großteils skeptisch. WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger ist sich sicher, dass Österreichs Wirtschaft durch solch eine Umschichtung großen Schaden nehmen würde. »Keine andere Institution ist in Österreich in der Lage, in dieser hohen Qualität auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften und des Wirtschaftsrechts auszubilden.« Auch Rektor Heinz Engl von der Universität Wien kann Mitterlehners Vorschlag wenig abgewinnen. Er hält es für essentiell, das Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften weiterhin an der Uni anzubieten, da hier grundlegende Forschungsarbeit geleistet wird. Eine engere Abstimmung und mehr Kooperationen mit FHs kann er sich aber durchaus vorstellen. Die ÖH WU betont dazu, dass vor einer möglichen Diskussion über einen Fächerabgleich zwischen Unis und FHs sowieso eine langfristige Strategie des Hochschulsektors ausgearbeitet werden muss.

Vor 23 Jahren hat sich die Kompetenzverteilung im Hochschulsektor maßgeblich verändert: 1993 ist das Fachhochschul-Studiengesetz in Kraft getreten, 1994 wurden die ersten Fach- hochschul-Studiengänge in Österreich eingerichtet und im Zuge dessen auch der private Hochschulsektor gegründet. Hochschulpolitik ist seither nicht mehr bloße Bundesangelegenheit: Investoren, Länder und Private haben ein kräftiges Wort mitzureden. Das tertiäre Bildungsangebot ist durch ein marktorientiertes Hochschulsystem, das von der staatlichen Verwaltung losgelöst wurde, diversifiziert und erweitert worden. Mittlerweile haben sich beide Formen im Hochschulsektor etabliert und sprechen durch die unterschiedliche Organisation und die verschiedenen Ausrichtungen auch unterschiedliche Zielgruppen an.

 

 

Uni vs. FH: Die größten Unterschiede

Obwohl Fachhochschulen und öffentliche Universitäten die gleichen Stakeholder – Studierende – haben und das gleiche Ziel verfolgen, nämlich die Ausbildung junger Akademiker, bestehen teilweise sehr große Unterschiede.

Es gibt 22 öffentliche Universitäten und 21 Fachhochschulen in ganz Österreich, an denen aktuell insgesamt 320.000 Menschen in 1.872 verschiedenen Studiengängen studieren. Der Großteil, nämlich knapp 85 Prozent der Studierenden, ist in 1.468 Studiengängen an den österreichischen Universitäten inskribiert. Lediglich 15 Prozent studieren an FHs.

Dass die Zahlen der Studieren- den so weit auseinanderliegen, begründet sich im Konzept der beiden Systeme. Die Beliebigkeit der Studiengänge, in denen Studierende kommen und gehen können, wann sie wollen, oder aber auch die Flexibilität bei Prüfungsterminen, existiert an Fachhochschulen nicht. Ein festgelegtes System, wie man es aus der Schule gewohnt ist, bestimmt den Alltag: Fixe Stundenpläne, klar vorgegebene Prüfungstermine, zu denen man die Prüfung bestehen sollte, um nicht ein ganzes Semester wiederholen zu müssen, und schul- klassenähnlicher Jahrgangsverband prägen das Studentenleben.

Im Zuge der aktuellen Debatte betont Universitätsprofessorin Edith Littich, Vizerektorin für Lehre, die unterschiedlichen Systeme: »FHs und Unis haben unterschiedliche Zielsetzungen, daher ist ein zu unserem BaWiSo oder BaWiRe vergleichbares Studium an einer FH schwer vorstellbar. Fachhochschulen verstehen sich ja eher als Ausbildungsstätten, die eine konkrete Ausbildung in einem klar umrissenen, spezialisierten Berufsbild er- möglichen. An einer Universität wie der WU, hat das Bachelorstudium hingegen die Aufgabe, eine wissenschaftlich fundierte Berufsvorbildung zu leisten, in der eine Vielfalt von Fächern, Methoden und Lehrmeinungen Platz findet.«

 

 

Zulassungsvoraussetzungen

Aufgrund der Begrenzung der Studienplätze muss an einer FH meist ein Aufnahmeverfahren positiv absolviert werden, um ein Studium beginnen zu können. Die öffentlichen Universitäten haben nur selten Beschränkungen und sind daher oftmals mit einer zu großen Nachfrage konfrontiert. Überfüllte Hörsäle, ein zu knappes PI-Angebot, überhöhte Studiendauer und die Masterproblematik sind die Folgen eines unbeschränkten Zugangs. Daher gibt es einige Studiengänge, die ein Aufnahmeverfahren eingeführt haben. Zu diesen zählt auch das an der WU angebotene Bachelorstudium ›Wirtschafts- und Sozialwissenschaften‹.

Sollten die finanziellen Mittel, die den FHs zur Verfügung stehen, nicht ausreichen, können sie autonom über die Einhebung eines Studienbeitrags (derzeit 363,36 Euro) entscheiden. Aktuell heben 17 der 21 FHs einen solchen Studienbei- trag ein. Universitäten sind bei Studien- gebühren die Hände gebunden – alleine die Regierung kann dies entscheiden.

 

Es ist dringend notwendig, dass eine Studienplatzfinanzierung auch für öffentliche Universitäten eingerichtet wird. Denn es kann und darf nicht sein, dass die Qualität der Lehre und somit auch die Ausbildung der Studierenden, wegen unzureichender Mittel der öffentlichen Hand leidet.

 

 

Wie finanzieren sich FHs im Detail?

Diese Frage hat sich auch die Universitätenkonferenz (kurz: uniko) gestellt. Die Finanzierung der Fachhochschulen ist, im Gegensatz zu öffentlichen Universitäten, nicht allzu durchsichtig. Neben einer Förderung durch den Bund zählen Länder, Gemeinden und auch die Privatwirtschaft zu den Investoren. Ab dem Wintersemester 2016/17 wird die Unterstützung des Bundes je nach Studienrichtung zwischen 6.970 und 8.850 Euro pro Studienplatz betragen.

Vergleicht man nun alleine diese Studienplatzbewirtschaftung mit den öffentlichen Universitäten, die im Rahmen der Leistungsvereinbarungen ein Globalbudget, das unabhängig von den Studierendenzahlen bestimmt wird, bekommen, sieht man eine enorme Unverhältnismäßigkeit. Lediglich im Rahmen der Hochschulraumstrukturmittel erhalten Universitäten einen Budgetanteil für Studienabschlüsse und prüfungsaktive Studierende.

Damit auch an Universitäten der Standard in Forschung und Lehre trotz der großen Budgetkürzungen gehalten werden kann, bedarf es des Lukrierens von Drittmitteln. Dem Thema haben wir uns in der April-Ausgabe des STEIL ausführlich gewidmet.

ÖH WU-Vorsitzender Werner Neuwirth betont in einem Statement zur Verlagerungs-Debatte: »Es ist dringend notwendig, dass eine Studienplatzfinanzierung auch für öffentliche Universitäten eingerichtet wird. Denn es kann und darf nicht sein, dass die Qualität der Lehre und somit auch die Ausbildung der Studierenden, wegen unzureichender Mittel der öffentlichen Hand leidet.«

 

 

Auswahl des Lehrpersonals

Doch nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Auswahl der Lehrenden, wirkt sich direkt auf die Qualität im Studium aus. Das österreichische Fachhochschulsystem steht gegenwärtig vor dem Problem, dass qualifizierte Lehrende mit der erforderlichen fachlichen, pädagogischen und praxisnahen Qualifikation Mangelware sind. Bewerbungsverfahren an Fachhochschulen laufen klassisch ab: Nach einem Vorstellungsgespräch entscheidet der zuständige Studiengangsleiter über die Einstellung, natürlich unter Berücksichtigung des eigenen Budgets. Die steigenden Gehaltsvorstellungen qualifizierter Lehrender werden hier oft zum Problem. An Universitäten wirkt man dem mit Habilitations- und Berufungsverfahren entgegen. In einem transparenten Prozess, an dem Studierende, Professoren und der Mittelbau eingebunden sind, wird der beste Bewerber ausgewählt.

 

Spezialisierungsmöglichkeiten sowie die Zusatzangebote der WU dürfen unter keinen Umständen gefährdet sein.

 

 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Während Unis eine große Palette an (freiwilligen) Zusatzangeboten und Spezialisierungsmöglichkeiten anbieten, ist dies an FHs nicht vorgesehen. Betrachtet man das Angebot der WU, stellt man fest, dass es neben den 29 SBWLs eine Vielzahl an Zusatzangeboten gibt: Soziale Kompetenz, Repetitorien zur Prüfungsvorbereitung, Sommer- und Winteruni, Anfänger- und Bridging-Courses etc. All diese Zusatzangebote sind laut Studienplan nicht verpflichtend, sie tra- gen jedoch einen großen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Ausbildung bei und bereiten auch auf den beruflichen Einstieg vor. In der Debatte um die Verlagerung von Studiengängen an die FHs betont die ÖH WU: »Spezialisierungsmöglichkeiten sowie die Zusatzangebote der WU dürfen unter keinen Umständen gefährdet sein.«

Die FH im direkten Vergleich: Studiengänge des BFI Wien, wie etwa Logistik und Transportmanagement oder Bank- und Finanzwirtschaft, bieten kaum bis gar keine Spezialisierungsmöglichkeiten an. Durch die eindeutige Ausrichtung des Studienangebots ist es fast unmöglich viele Spezialisierungen vorzunehmen, da die Entscheidung für ein gewisses Studi- um schon sehr spezifisch getroffen wird.

 

Ich konnte im Bachelor sowohl ein Auslandssemester, als auch ein Auslandspraktikum machen und darf nun ein renommiertes Masterprogramm durchlaufen, das für mich eine optimale Verbindung von Wissenschaft und Praxis schafft.

 

 

Uni-Master besser für Berufsleben

Die Einschlägigkeit des Studienangebotes spielt auch im Master eine wesentliche Rolle, wo Unis oft ein attraktiveres Angebot bieten können. Viele FH-Studierende wechseln nach dem Bachelor an eine Universität, um einen guten und angesehenen Masterabschluss zu bekommen. Auch an der WU kommt ein erheblicher Teil der ca. 3.000 Master-Studierenden von der FH. Da sich FH-Studien bereits im Bachelor mit sehr spezialisierten und detailreichen Themen auseinandersetzen, kommt es häufig vor, dass diese Masterstudien-Bewerber manche Kurse nachholen müssen, um den Kriterien für eine Aufnahme zu entsprechen. Raffael Schoergi hat seinen Bachelor an der FH WKW absolviert und hat für den Master an die WU gewechselt. Als primären Grund dafür, nennt er die gute Reputation der WU, auch im Ausland, da er seine berufliche Zukunft teilweise auch außerhalb Österreichs sieht. Für Raffael war dieser Weg der sinnvollste: »Ich konnte im Bachelor sowohl ein Auslandssemester, als auch ein Auslandspraktikum machen und darf nun ein renommiertes Masterprogramm durchlaufen, das für mich eine optimale Verbindung von Wissenschaft und Praxis schafft.«

Für den Master von einer FH an eine Universität zu wechseln, hat unter anderem einen taktischen Grund: Wenn auch der Gehaltsunterschied bei Berufseinsteigern zwischen Absolventen einer FH oder einer Uni nicht allzu hoch ist (der- zeit zwischen 2.500 und 2.800 Euro), werden die großen Auswirkungen erst im Verlauf des Berufslebens sichtbar. Die Gehaltskurve bei Absolventen einer Uni steigt schneller und deutlich steiler als bei FH-Absolventen.

Berufserfahrung sowie die praktische Ausbildung an Fachhochschulen wird von den Arbeitgebern am Anfang des Berufslebens sehr geschätzt. Im weiteren Verlauf spielen diese jedoch keine erhebliche Rolle mehr – FH-Absolventen werden in der Gehaltskurve schnell von Uni-Absolventen, die auch bessere Aufstiegschancen haben, überholt.

 

Bundesausgaben für den Hochschulsektor

 

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story VON LUKAS FANNINGER UND SELMA GWOZDZ 


Sonntag, 01.05.2016 um 18:00

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