LPIS-Anmeldung: Das Rennen um die besten Plätze

STEIL Story November 2016

Es bedarf Fingerspitzengefühl und guter Selbstbeherrschung, um beim Anvisieren nicht zu zittern und die Operation F5 nicht zu verfehlen. Nicht nur die richtige Taktik und mentale Stärke, sondern auch eine gehörige Portion Glück kann bei der Übung entscheidend sein.

Nein, das ist keine Beschreibung einer fancy Yogaübung in einem halbseriösen Hippie-Studio. Ganz im Gegenteil: Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du wohl bei einer angesehenen Wirtschaftsuniversität (zugegeben: Mit fancy Campus) eingeschrieben, die zum Leidwesen aller Beteiligten ein paar Millisekunden über den Studienfortschritt Einzelner entscheiden lässt. Die Atomuhr ist aus genau diesem Grund ständiger Wegbegleiter jedes WU-Studierenden. Wir sind wohl nicht die Einzigen, die sich über alternative Methoden Gedanken machen?

 

Wichtigste Frage: 13:59:58 oder 13:59:59?

Der WU-Studierende kennt das so: Erst einmal wird die wochenplantechnisch passendste PI – mit dem auf ÖH WU ProfCheck gut bewerteten Professor – ausgewählt, der Mauszeiger wird im LPIS schon gegen 13:55 Uhr auf der richtigen Position in Stellung gebracht, um dann im entsprechenden Moment die F5-Taste zur Aktualisierung zu betätigen. Ob der Moment 13:59:58 oder gar 13:59:59 der erfolgversprechendere ist, darüber scheiden sich die Geister. Vielleicht hängt das einfach von höheren Mächten ab. Nach dem Klick warten quälende Momente der Ungewissheit, bis sich nach etwa 10 Sekunden ein Slot öffnet. Hier können nur mehr schnelle Reaktionen, Nerven aus Stahl und Gebete helfen – dann hast du vielleicht eine Chance, einen Platz in dem einen Kurs zu ergattern.

Ob man einen Platz erhält oder auf die Warteliste rutscht, scheint Willkür des technischen Systems zu sein. Doch muss man auch dazu sagen, dass bei der entsprechenden Serverzuteilung, die vom System vorgenommen wird, auch eine große Portion Glück dabei sein muss. Der ganze Prozess ist vergleichbar mit einem sportlichen Wettkampf – nur Sekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage. Das Unfaire am LPIS-System ist aber die Tatsache, dass man hierfür nicht wirklich trainieren kann und nicht immer der Beste gewinnt.

 

Synchrone LPIS- Anmeldungen? Unmöglich.

Besonders fies wird das LPIS, wenn man sich zur gleichen Zeit für mehrere Kurse anmelden muss. Man kann von einem Triathleten ja auch nicht erwarten, dass er gleichzeitig schwimmt und radelt. Die Anmeldungen zu zwei oder gar mehreren Kursen zur – theoretisch – gleichen Zeit müssen also nach Priorität vom Studierenden gereiht werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit, es in den zweiten oder dritten Kurs hineinzuschaffen, rapide sinkt.

Nicht weniger zu kritisieren sind auch jene Fälle, in denen die Anmeldungen zu stark geblockten Kursen und den gewöhnlichen Semesterkursen von ein und demselben Fach zur selben Zeit stattfinden, was die Planung der Studierenden gänzlich über den Haufen wirft.

»Dass diese Umstände weder transparent noch qualitativ, ganz zu schweigen von fair sind, bedarf keiner weiteren Erklärung«, äußert sich ÖH WU-Vorsitzender Lukas Fanninger zum berechtigten Unmut der WU-Studierenden. »Wenn das LPIS durch Serverüberlastung zusammenbricht, weil zu viele Studierende sich gleichzeitig für zu wenige Plätze anmelden wollen, sollte sich die WU fragen, ob sie nicht besser Ursachen- statt Symptombekämpfung betreiben sollte. Es müssen also schlicht mehr finanzielle Mittel in die Hände genommen werden, um den Anmeldemarathon grundlegend besser aufzustellen, anstatt ständig zu reparieren. Außerdem müssen die Kapazitäten an die Anzahl der Studierenden angepasst und im gegeben Fall auch ausgebaut werden", macht Lukas Fanninger deutlich.

 

Andere Unis – andere Regeln

Nicht an allen österreichischen Unis ist der Nervenkitzel so groß:

Uni Wien

An der Hauptuni in Wien verteilen die Studierenden innerhalb der Fristen die ihnen zur Verfügung stehenden 1.000 Punkte, je nach Präferenz, auf Kurse. Je mehr Punkte man vergibt, desto höher ist die Chance, einen Platz in der LV zu erhalten. Es werden jeweils jene Personen in den Kurs aufgenommen, die am meisten Punkte gesetzt haben. Alle erfolglos gesetzten Punkte werden ins nächste Semester mitgenommen, wodurch man dann mehr Punkte zu vergeben hat.

 

Uni Linz

Fast schon ›romantisch‹ gehen die Kursanmeldungen bei den Kollegen der Uni Linz vonstatten. Im sogenannten ›KUSSS‹- System entscheidet die Vorrangzahl jedes Studierenden über einen Kursplatz. Diese basiert auf einer fixen Formel, die neben einer Zufallszahl auch Faktoren wie, ob man nebenher arbeitet oder ob man sich in vergangenen Semestern schon einmal vergeblich für den betreffenden Kurs angemeldet hat, berücksichtigt.

 

Uni Innsbruck

An der Uni Innsbruck werden Plätze anhand eines angegebenen Rankings von Kurspräferenzen der Studierenden – aber ohne Punkte – vergeben. Gibt es in einem Kurs mehr Anmeldungen als Plätze, entscheidet gar das Zufallsprinzip.

 

Dass sämtliche Systeme ihre Vorzüge und Unbequemlichkeiten aufweisen, ist klar. Damit aber ein faires und vor allem transparentes Studium an der WU möglich ist, müssen alle Beteiligten in die breite Diskussion über die Verbesserung des Anmeldesystems miteinbezogen werden.

 

 

Was denkst du darüber? Schreib uns deinen Lösungsvorschlag!

Wir lassen unseren Worten Taten folgen und haben unterschiedliche Studierende dazu befragt, was sie vom aktuellen LPIS-Anmeldesystem halten. Die Bilanz fällt durchwachsen aus. Während die meisten grundsätzlich beim Prinzip ›First-Come, First-Served‹ bleiben möchten, sehen andere das Problem tiefer liegen. Einheitlicher Tenor ist jedenfalls, dass merkliche Verbesserungen am Status quo stattfinden müssen, etwa eine zeitliche Staffelung sämtlicher Anmeldungen.

Doch wir wollen es auch von dir wissen: Was ist das Problem am aktuellen Modus? Wie sollen Kursanmeldungen zukünftig aussehen? Je mehr Meinungen und Ideen wir von euch sammeln können, desto besser. Schick uns ein E-Mail an mitbestimmung@oeh-wu.at oder mach bei unserer Online-Umfrage mit. Wir bleiben dran – und vor allem hartnäckig!

 

Das sagen die Studierenden:

»LPIS verkörpert Roulette. Das wahre Pro- blem liegt aber viel tiefer, nämlich bei den Kapazitätsengpässen. Die jüngsten Peinlich- keiten sollten Anlass für wirksame Zugangs- beschränkungen zum Bachelorstudium sein.«

Christian Payer, VWL, 3. Semester

 

»Warum müssen alle Anmeldungen gleichzeitig um 14 Uhr sein? Bleibt es beim ›first-come, first- served‹-Prinzip, gehört alles zeitlich gestaffelt. Ansonsten bin ich für das Punktesystem der Hauptuni, wodurch sich mein Zweitstudium nicht verzögert hat.«

Nicole Lehner, BWL, 6. Semester

 

»Die parallelen Anmeldungen führen zu unfai- ren Bedingungen und zu Serverabstürzen. Ich würde unser System ›Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‹ beibehalten, aber nur eine Anmeldung pro Tag vornehmen. Das Punktesystem der Hauptuni finde ich weniger fair.«

Daniel Wascher, IBWL, 8. Semester

 

»Der LPIS-Server ist stets überlastet. Wer nur durch bessere Technik schneller in den Slot gelangt, hat dann unfairerweise seinen fixen Platz in der PI. Entlastet würde das an sich gute Schnelligkeitsprinzip, würde alles an unter- schiedlichen Uhrzeiten stattfinden.«

Ana Vavić, BWL, 8. Semester

 

_______________________________

STORY VON Lukas fanninger und sandro tirler


Sonntag, 06.11.2016 um 18:00

Teilen

Nichts verpassen!

WU Flash - ein Newsletter alle Infos

Danke für Deine Anmeldung!